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Nahrungs- und Futtermittel.

Die Ernten waren wesentlich besser als erwartet und die auf den Markt drückenden Mengen führten zu einer Verflachung und teilweise zu einem Nachgeben der Preise. Erneut konnten Mengensteigerungen umgesetzt werden, insbesondere beim Absatz im Mittleren Osten und in Nordafrika.

Die Anfangsphase des Jahres 2016 zeigte eine Fortsetzung des negativen Preistrends aus der Vorperiode, bedingt durch die außergewöhnlich guten Herbsternten 2015 in Nordamerika. Auch kamen in dieser Anfangsperiode erhebliche Mehrmengen an Agrarprodukten ex Argentinien auf den Markt, z.B. wurden im Zuge der von der neuen argentinischen Regierung aufgehobenen Export-Steuer im 1. Quartal 2016 um 105 % mehr Weizen und um 84 % mehr Mais (beides im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres) exportiert.

Als sich im Zeitablauf zeigte, dass das Wettermuster für die neue Ernte in großen Teilen des MERCOSUR-Anbaugebietes suboptimal war und die Ertragserwartungen sukzessive zurückgeschraubt werden mussten, wurde der Negativtrend in den Märkten gestoppt und die Preise begannen zu steigen. Da aufgrund der Überzeugung fundamental gut versorgter Märkte die Nachfrager auf der physischen Seite nur schlecht gedeckt waren und auch das spekulative Geld zum Teil erhebliche Short-Positionen hielt, waren diese gezwungen, ihren Bedarf bzw. Short-Positionen zu immer höheren Kursen zu decken. Dies führte in der Folge zu einer gewaltigen Frühsommer-Rally, welche bei Sojabohne-Futures etwa 35 % und bei Mais- sowie Weizen-Futures immer noch etwa 20 % ausmachte. Für diese beeindruckende Entwicklung gab es aber nicht nur agrarmarktspezifische Gründe: das Drehen der Rohstoffmärkte im Allgemeinen und insbesondere die Verdoppelung der Barrel-Preise für Rohöl innerhalb einer relativ kurzen Zeit stellten einen zusätzlichen Treiber für die Preisfindung der Agro-Commodities dar.

Im Laufe des Sommers wurde immer klarer, dass es in Nordamerika sowie auch in der EU und im Schwarzmeerraum zu keiner Trockenheit kommen und das Wettermuster bis zur Ernte ertragsfördernd bleiben würde. Das stoppte den Preisauftrieb, die Märkte drehten wieder nach unten und die Korrektur war so scharf und in ähnlich kurzer Zeit wie der Anstieg zuvor. Als sich in der Folge herausstellte, dass Hektarerträge und Produktion bei Mais sowie Sojabohne in den USA noch besser als erwartet sein würden, bildeten Mais-Futures sukzessive neue Jahrestiefs aus. Bei Sojabohne-Futures ist das Bild etwas differenzierter: wenn sie auch die gewaltige Frühsommer-Rally drastisch korrigiert haben, so blieben sie doch signifikant über den Jahrestiefs von Ende Februar 2016. Dafür gibt es verschiedene Gründe: die weiterhin starke Nachfrage für US-Sojabohne nach China, die relative Stärke der Sojabohnenöl-Komponente aufgrund der geringeren Produktion von Palmöl in Asien und eine Verschiebung der Anbaufläche von Sojabohne hin zu Mais wegen der unterschiedlichen Exportbesteuerung in Argentinien.

Gegen Ende der Berichtsperiode wurde der Preisfindungsprozess bei Sojabohne- und Mais-Futures wieder volatiler: der Markt war hin- und hergezogen zwischen einem optimalen Wettermuster für die neue Ernte in Brasilien und einem suboptimalen in Argentinien.

Auf der operativen Ebene ist es uns im wichtigen Markt Iran gelungen, die Verkaufsvolumina im Vergleich zur Vorperiode beträchtlich zu steigern. Dies ist im Wesentlichen auf die nach der Einigung im Nuklearstreit allmählich etwas weniger prohibitiv werdenden Rahmenbedingungen im Iran-Geschäft zurückzuführen. Das hatte positive Auswirkungen auf unsere Handelsaktivitäten mit Ozeanschiffsgrößen für den Südiran. So gelang es uns wieder, gute Volumina an Mais aus dem Donauraum sowie ex Ukraine zu platzieren. Auch konnten wir unsere Iran-Kompetenz unter Beweis stellen, als wir ein bei Ankunft notleidend gewordenes Mais-Cargo eines Mitbewerbers übernahmen und es unter Einschaltung unserer lokalen Firma für diesen erfolgreich vermarkteten. Erstmals haben wir auch food-grade Mais für die iranische Stärkeindustrie verkauft. Ebenso konnten wir wieder gute Volumina von deutschem und russischem Weizen auf Basis eines neuen Zahlungsschemas mit einem iranischen Privat-Importeur kontrahieren. Ein weiteres „first“ war der Verkauf eines Cargos Rapssaat ex Bulgarien für den Südiran.
Aber auch unsere Nordiran-Schiene konnten wir vermehrt weiter bedienen. Hier haben wir im Vergleich zur Vorperiode erheblich mehr Weizen ex Russland und Kasachstan geliefert. Nur bei den Gerstelieferungen ex Kasachstan blieben wir aufgrund einer länger dauernden Import-Restriktion im Iran etwas hinter unseren Vorjahresziffern zurück.

Die Verkaufsvolumina nach Nordafrika konnten vor allem bei Gerste und Weizen gesteigert werden. Die in dieser Region knapper werdenden Devisen mussten prioritär dem Import von Nahrungs- und Futtermitteln zugeteilt werden. In Ägypten trat zur eingeschränkten Devisenverfügbarkeit noch eine signifikante Abwertung der Währung hinzu, trotzdem konnten wir sehr interessante Volumina dorthin verschiffen. Selbst die aus erheblichen logistischen Problemen resultierenden Überliegegelder wurden zu unserer Zufriedenheit finalisiert. Auch im außer-ordentlich schwierigen Markt Libyen gelang es uns, im Rahmen eines maßgeschneiderten Zahlungsschemas historische Rekordmengen zu platzieren.

Ebenso litt die Türkei unter heftigen Währungsturbulenzen, welche die Importeure generell verunsicherten und in der Folge nachfragedämpfend wirkten.

In der Schwarzmeerregion haben wir die Getreideaufkäufe vor allem in der Ukraine und in Bulgarien gesteigert. So konnten wir in der Ukraine auf Basis unserer lokalen Aufkaufsstruktur die Exportmengen Richtung Nordafrika und den Nahen Osten erheblich erhöhen, wobei wir dieses selbstgesourcte Getreide mittlerweile über drei ukrainische Häfen umschlagen. Auch an dem wachsenden Fernost-Handel für Schwarzmeerweizen haben wir erfolgreich partizipiert.

In dem für uns wichtigen Ursprung Russland wurde eine Weizenrekordernte verzeichnet, wenn auch mit schwächerer Qualität. Daraufhin nahmen die russischen Behörden die Exportsteuer bei einem sich stabilisierenden Rubel zurück. Im Zuge dessen gelang es uns, die Exportmengen sowohl über das Kaspische Meer in den Nordiran wie auch über das Schwarze Meer im Vergleich zur Vorperiode signifikant zu erhöhen.

Im Donauraum war das länger anhaltende Niedrigwasser der Donau für uns eine ziemliche logistische Herausforderung, um u.a. den in der Ernte 2016 knappen Qualitätsweizen für unsere Kunden im Mittelmeerraum, einschließlich Spanien, im Exporthafen Konstanza rechtzeitig ladebereit zu stellen.

VAITs Handelsvolumen bei Reis nach Westafrika war im Jahr 2016 etwas geringer im Vergleich zum Vorjahr, hauptsächlich wegen des großen Umfangs der Lieferungen gegen Jahresende 2015. Die verzögerten Ernten in den Ursprungsländern und Regierungsinterventionen in einigen westafrikanischen Ländern beeinflussten ebenfalls die üblichen Handelszyklen. Trotz dieses veränderten und schwierigen Marktumfeldes konnte VAIT die Marktanteile halten.

Die weltweite Reisproduktion in der Saison 2015/16 ist um 1.6 % geringer ausgefallen und betrug 472 Mio. mt. Der Rückgang ist hauptsächlich auf das El Niño-Phänomen zurückzuführen und hat die Ernten in Asien, insbesondere in Thailand und Indien verringert. Das internationale Handelsvolumen blieb mit ca. 40 Mio. mt stabil.

Der Reismarkt war im Jahr 2016, wie auch bereits in den Vorjahren, durch niedrige Preise in Asien (Indien, Pakistan, Thailand und Vietnam) bestimmt. Thailand konnte beträchtliche Mengen aus alten Lagerbeständen vermarkten, andere Länder wie China und Indien erhöhten hingegen ihre Lagerbestände. Das Preisniveau in Südamerika blieb höher als in Asien, aber VAIT konnte dennoch auch aus dieser Region Reis sourcen und nach Westafrika verkaufen. Ein großer Teil unseres Handelsvolumens konnte in Indien gekauft werden, wo die starke Marktstellung im Bruchreissegment verteidigt werden konnte. Die Instabilität der Währungen ist ein wachsender Unsicherheitsfaktor für das Tagesgeschäft, aber auch dieses Risiko konnte erfolgreich gemanagt werden.

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